Gabriele Garms, Sevim Aydin, Günter König und Jupp Schröer (von links)

Am 20. November 2018 ist Jupp Schröer, Genosse und langjähriges Mitglied der 8. Abteilung Luisenstadt, mit 91 Jahren gestorben. Liebevoll betreut von seiner Frau Ruth und seiner Tochter Angelika, ist er zu Hause friedlich eingeschlafen. Nach 62 Ehejahren, mit Ruth an seiner Seite, blickte er auf ein erfülltes Leben zurück.

Jupp Schröer wurde 1927 in Hamm (Westfalen) geboren und wuchs in einem konservativen, katholischen Elternhaus auf. Er sollte Priester werden. Er wurde Ministrant und gleichzeitig begeisterter Hitlerjunge und Offiziersanwärter. Mit dem Untergang des Naziregimes brach für Jupp eine Welt zusammen. Lange suchte er nach einer Neuorientierung, bis er schließlich seine politische Heimat in der SPD fand (Eintritt 1951).

Als Inspektorenanwärter bei der Reichsbahn, stieg er schnell als Mitglied der Eisenbahn Gewerkschaft zum ersten hauptamtlichen Jugendsekretär für die britische Zone auf.

Nach einem Studium an der Sozialakademie in Dortmund (1947/48), beeindruckt von den radikalen Ideen an der Hochschule, sympatisierte Jupp mit der KPD und war Mitglied im studentischen SED-Gründungskomittee. Er war enttäuscht von der SPD, die in seinen Augen zu weit rechts stand. Sein Beitritt zur FDJ kostete ihn seinen Job als  als Jugendsekretär.

Er trennte sich wieder von der KPD und nahm ein weiteres Studium an der „Hochschule für Arbeit, Wirtschaft und Politik“ in Wilhelmshaven und an der „ Hochschule für Politik“ (heute  Otto-Suhr-Institut)in Berlin, auf. Jupp war ein wortgewaltiger Redner und wurde bald zum Landesvorsitzenden des SDS (Sozialistischer deutscher Studentenbund) gewählt. Neben seinem Studium in Berlin arbeitete er als persönlicher Referent von Franz Neumann, dem damaligen Vorsitzenden der SPD.
Als Motto für Jupps Leben galt: Selbständig denken, auch wenn es Nachteile bringt.

Ende der fünfziger Jahre zog er in das Abgeordnetenhaus ein. Er musste allerdings sein Mandat wieder aufgeben, als er in die Senatsverwaltung wechselte. Als Mitglied der BVV in Kreuzberg (acht Jahre als Vorsteher der BVV), war Jupp bekannt für seine klare Haltung zu sozialdemokratischen Werten und sein analytisches Denken: „Erst denken, dann Handeln“, war seine Maxime.

1961 wechselte Jupp Schröer als Referent für politische Bildung in die Verwaltung der Jugendabteilung Neukölln. In Seminaren und Jugendclubs hat er bei jungen Menschen das Interesse an Politik erweckt. Das war für mich die „glücklichste Zeit meiner beruflichen Karriere, jungen Menschen Orientierung für ihr eigenes Leben zu geben, vor dem Hintergrund meiner eigenen schmerzlichen Erfahrungen“. Dennoch wechselte Jupp in die „ Landeszentrale für  Politische Bildung“ und war verantwortlich für Seminare und Veranstaltungen zur politischen Bildung. Gleichzeitig war er Herausgeber und Chefredakteur zahlreicher Publikationen der „Landeszentrale für Politische Bildung“, die auch heute noch, in überarbeiteter Form, von Bedeutung sind.

Neben vielen Ehrenämtern amtierte Jupp Schröer in den 60iger und 70iger Jahren in der AWO als Präsident der AWO-Landeskonferenz. Eine Selbstverständlichkeit für den Sozialdemokraten, für den die Werte:  Soziale Gerechtigkeit, Toleranz, Freiheit und selbständiges Denken, Lebensinhalt waren.

Die SPD veliert mit Jupp Schröer einen leidenschaftlichen, aufgeschlossenen und nachdenklichen Querdenker. Er wird uns fehlen.

Sevim Aydin