Gestern wurde in Kreuzberg unter anderem mit Reden der Bezirksbürgermeisterin und des Kreisvorsitzenden der SPD Friedrichshain-Kreuzberg, Harald Georgii, des ehemaligen Bürgermeisters von Kreuzberg, Carl Herz gedacht. Ihm ist im ehemaligen Rathaus Kreuzberg eine temporäre Ausstellung gewidmet, die bis zum 18. April über sein Leben und Wirken informiert.

Herz wurde 1926 Bürgermeister und trug neben seiner erfolgreichen kommunalen Arbeit auch zum Heidelberger Programm der SPD bei, das von 1925 bis 1959 galt. Von Anfang an war er in der Öffentlichkeit antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt.

Als 1933 die Nationalsozialisten die Macht in Deutschland übernahmen, wurde Carl Herz sofort ein Ziel ihres Terrors: am 10. März 1933 wurde er von SA-Männern abgeführt und unter Schlägen und Tritten durch Kreuzberg getrieben. Nur die Verhaftung durch einen Polizisten rettete ihn vor der Verschleppung ins damalige frühe Konzentrationslager in der Friedrichstraße.

Carl Herz konnte 1939 aus Nazi-Deutschland fliehen und starb 1951 in Israel.

Heute ist selbst im Deutschen Bundestag wieder die Rede davon, demokratische Politikerinnen und Politiker zu “jagen”, auf mancher Demonstration tauchen Galgen auf. Umso wichtiger ist es, sich immer wieder vor Augen zu führen, wie schnell solchen Worten Taten folgen können, wenn der entschiedene Widerstand der Zivilgesellschaft ausbleibt.

Im Gedenken an Carl Herz lädt die SPD Kreuzberg 61 gemeinsam mit der SPD-Fraktion Friedrichshain-Kreuzberg am Samstag, den 14. April zu einem politisch-historischen Rundgang ein, bei dem wir den Stationen der gewaltsamen Amtsenthebung Carl Herz’ folgen werden. Über Hintergründe und Zusammenhänge wird dabei die Historikerin Beate Winzer informieren. Treffpunkt ist um 15 Uhr die Carl-Herz-Stele vor dem ehemaligen Rathaus Kreuzberg in der Yorckstraße 4-11.